Donnerstag, 27. Oktober 2011

Eine kleine Nachtkritik

Als ich irgendwann im August wieder einmal den Button "Kaufen" drückte und zwei Tickets für das Mark Knopfler & Bob Dylan Konzert in München erwarb, war ich mehr als glücklich. Wir saßen zweite Reihe Mitte, eh. Eigentlich hätte ich vorher Bob Dylan & Mark Knopfler schreiben müssen, denn es war Dylan's Tour und Mark Knopfler & Band waren auch kleiner auf dem Plakat gedruckt. Mann, zwei Musiklegenden auf der Bühne (boshafte Leute mit ohne Musikerfahrung würden alte Säcke dazu sagen), ich war voller Erwartung, denn ich habe mich, um ehrlich zu sein, bisher nicht zu viel mit Bob Dylan beschäftigt, ich kenne natürlich seine Klassiker "Knocking on Heaven's Door" und "Like a Rolling Stone" usw. und seinen hervorragenden Ruf als "Rockpoet". Mark Knopfler Konzerte dagegen besuche ich seit Jahren regelmäßig. Ich ging aber unvoreingenommen ins Konzert. Ich unterhielt mich vor dem Gig glänzend mit den Herren des österreichischen Mark Knopfler Fanclubs, die um uns herum saßen. Es ist sowieso auffallend, dass bei Mark Knopfler der Prozentanteil der männlichen Bewunderer sehr viel größer ist, als bei sonstigen Konzerten (muß am fehlenden Sexappeal der Musiker liegen). Ein paar blond-ondulierte ältere Damen waren ebenfalls anwesend, die, wie sich später herausstellte, auf Dylan abfahren. Wir machten uns jedenfalls einen Spaß daraus, die Fans in Knopfler und Dylan Fans aufzuteilen...alle mit karierten Hemd kamen definitiv in die Knopfler-Schublade, alle mit Kopfbedeckung in die Dylan-Schublade...aber ich schweife ab.
Mark Knopfler & Band jedenfalls kamen als Erste auf die Bühne (was sich später als Fehler zuungunsten Bob Dylan's herausstellte) und stellten wieder einmal unter Beweis, wie brillant sie doch sind. Knopfler's Gitarrenspiel ist nach wie vor nur göttlich und eigentlich schon überirdisch. Er bleibt seinem Stil treu und singt seine irisch-schottisch gefärbten Solo-Songs auch stimmlich irgendwie immer besser werdend. Seine Band ist in meinen Augen eine der Besten, die er auftreiben kann. Die Bandbreite der Instrumente, die sie beherrschen, ist unglaublich. "Sailing to Philadelphia", das neue "Privateering" und vor allem "Marbletown" reißen uns Fans dann schon von den Sitzen. Jedenfalls schaffen - zumindest bilde ich mir das ein - der österreichische Fanclub und wir, dass der Meister dann noch zwei Dire Straits Songs als Zugabe spielt, bevor er nach ungefähr 70 Minuten die Bühne verlässt. Ein Fan neben uns erwähnt, dass Mr. Knopfler dazu übergegangen ist, bei Bob Dylan die ersten Lieder auf der Gitarre mitzuspielen und schon freute ich mich umso mehr. Tja, und dann kam der Rockpoet. Im ersten Augenblick jedoch erkannte ich denjenigen nicht gleich, muss ich sagen. Und dann nahm das Schicksal seinen Lauf, denn ein unbändiger Lachreiz stieg in meiner Kehle auf, denn Bob Dylan jedenfalls sah aus wie der Bösewicht El Guapo in Die Drei Amigos. Ich riß mich zusammen und ich gab mich der Musik wieder hin oder versuchte es zumindest. Die ersten drei Songs gefielen mir gar nicht so schlecht, Mark Knopfler spielte noch mit, wie der Fan erwähnt hatte und das ganze hatte was. Nur... die Stimme von Bob Dylan. Bis auf einen Rock'n Roll Song, der mir richtig gut gefiel, war seine Stimme ein einziges Krächzen. Und selbst das wäre noch nicht so schlimm gewesen, hätte ich wenigstens verstanden, was er uns mitteilen wollte. Nein, das liegt nicht daran, dass er Englisch singt, denn das beherrsche ich nun mal, aber ich verstand kein Wort. Also war die Sache mit dem Rockpoeten für mich auch irgendwie erledigt. Irgendwann erzeugte das eben erwähnte Krächzen und der falsche Griff in die Gitarrensaiten dann bei mir einen unerträglichen Kopfschmerz und wir verließen das Konzert frühzeitig. Noch dachte ich, ich sei halt verwöhnt von des Meisters Gitarre und Stimme und eine Banause und all die Menschen, die sich mittlerweile im Foyer der Olympiahalle scharten, seien MK Fans, da schimpfte auf dem Weg zum Parkplatz eine Frau vor mir, sie sei die letzte Zeit Bob Dylan Anhänger gewesen, es sei eine Frechheit, so etwas zu bieten und alle CDs von Bob Dylan würden zuhause unverzüglich im Mülleimer landen, ihr Mann gab ihr recht... eine andere Dame stieß zu unserer kleinen Gruppe und war ebenso empört und enttäuscht, da begriff ich langsam, dass es hier leider nicht mehr darum ging, ob man Bob Dylan kannte und seine Musik hörte oder nicht... es ist schade, wirklich schade, finde ich, wenn sich eine Legende selbst demontiert, denn in the end geht es doch um die Musik. Und Musik , wenn die Menschen begeistert, bringt die Menschen zusammen. Egal, ob Knopfler oder Dylan Fan. Es wäre zu wünschen gewesen, wenn alle das Konzert zufrieden hätten verlassen können. Wir, Gott sei Dank, waren es.

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